Wie unsere alten »Kämpeviser< durch mündliche Überlieferung von
einer Generation an die nächstfolgende aus der Vergessenheit errettet worden sind, so ist
es auch unseren Sagen ergangen.
Wort für Wort gab sie der Erzähler so wieder, wie er sie gehört hatte, und seine
Zuhörer, die sie öfter an einem Abend nacheinander hörten, lernten sie bald wortgetreu
auswendig und machten sich daraus eine Ehre, sie möglichst genau wiedergeben zu können.
Zuweilen kam es doch vor daß sie einen örtlichen Zuschnitt erhielten, der Kern jedoch
blieb unverändert.
Die Sagen wurden besonders im Winter erzählt.
Sobald es auf den Abend zuging versammelten sich die Kinder um die
Oma oder den Opa, dehnen sie keine Ruhe ließen, bis sie sich hinter dem Ofen bequem
niedergelassen hatten und von ein Unterirdischen berichteten.
Doch auch im Sommer wenn am Abend die Jugend vor dem Hof saß, wurden die Sagen vom alten
Viehknecht so lebendig geschildert, der auf irgendeinen Hügel oder Höhenzug zeigte und
so ganz genau berichten konnte, daß der Jugend davor graute. In dieser Weise sind die
Sagen bis in die Gegenwart bewahrt geblieben.
Während im übrigen Dänemark die Sagen hauptsächlich von Meerweibern, Elfen, Rittern
und Heinzelmännchen handeln, finden solche Geschöpfe oder Bornholmer Sagenwelt nur
spärliche Erwähnung.
Hier überwiegen stark die Unterirdischen. Ihre Entstehung rührt von der Schöpfung der
Menschen her. Eine alte Sage berichtet, daß als Eva eines Tages ihre Kinder waschen
wollte, der Herrgott sie plötzlich rief worüber sie so heftig erschrak, daß sie die
noch ungewaschenen Kinder versteckte.
Der Herrgott wollte wissen, ob ihre sämtlichen Kinder da seien was sie, um seinem Zorn zu
entgehen wenn er ihre Schmutzigkeit feststellen sollte, bejahte.
Der Herrgott der alles sah, sagte indessen daß:
" Was sie ihm verborgen habe, soll hiernach auch den Menschen verborgen sein"
,
und zur selben Stunde verschwanden die schmutzigen Kinder und versteckten sich in den
Hügeln.
Von diesen entstammten alle Unterirdischen ab.
Auf der Insel gibt es keinen einzigen Hügel, der nicht von einer oder mehreren Familien
bewohnt wäre.
Sie werden eher für Schutzgeister Bornholms gehalten. Boshaft sind sie nicht , obwohl sie
gegen begangenes Unrecht kämfen und umgekehrt sich für eine gut behandlung dankbar
und hilfsbereit erweisen ;
allein !, äußerst necksüchtig sind sie und spielen der Bevölkerung nur alle
erdenklichen Streiche !
Den König der Unterirdischen nannten die alten Bomholmer »Ellestingeren».
Er war feiner gekleidet als die gemeinen Unterirdischen, trug einen Zweispitz, ritt auf
einem dreibeinigen Pferd und war mit einem langen Spieß ausgerüstet.
Wenn die Unterirdischen exerzierten, ritt er ihnen voran an der Spitze und befehligte sie.

Es war althergebrachte Sitte, daß die Bauern die letzte Hafergarbe auf dem Feld ließen
beim Einfahren. Die war für das Pferd des »Ellestingeren« bestimmt; wurde die Garbe aus
Habgier mit eingefahren, war im folgenden Jahr mit Missernte zu rechnen.
zur Sage 1
zur Sage 2
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