Bornholms Eintritt in die Geschichte vollzieht sich kurz und bündig,
als kurz vor dem Jahre 900 der englische Entdeckungsreisende Wulfstan aus der Ostsee nach Hause berichtet:
»Wir hatten Burgunda -Land backbord, und dieses hat seinen eigenen König.«
Was für einen König???
Welche der Funde und Fluchtburgen aus der Wikingerzeit haben ihm gehört???
Wie lange hat dieses selbständige Königtum auf Bornholm existiert???
Darüber weiß man nichts.
In den folgenden 200 Jahren tritt Bornholm in den Hintergrund
- ein historisches Entwicklungs-land trotz seines archäologischen Reichtums -
bis der Historiker Adam von Bremen um 1075 mitteilt,
»Hulmus sei nun für jene Heiden, die nach Russland segeln, Dänemarks bekanntester Hafen«.
Im Laufe dieser Zeit war Dänemark zu einem Reich geeinigt worden,
und auf diese Art müssen also auch die Bornholmer Dänen geworden sein.
Mit
dem starrköpfigen Jarl verschwand auch Bornholms Selbständigkeit auf
immer,
und bald sollte der Einzug des Christentums das Ende einer tausendjährigen
Kultur mit sich bringen, die uns nur in Andeutungen oder Umschreibungen überliefert
ist:
Sagen, Ortsnamen wie Gudhjem u.a., Bautasteine, Grabfunde, heilige Quellen
und dergleichen mehr.
Keine
schriftliche Darstellung kann Klarheit über die ganze eigenartige
Religion und Lebenshaltung geben, die das Bornholm des Heidentums geprägt
hat. Die Sagen aber, wie unhistorisch sie auch sind, haben ihren Ursprung
mit Sicherheit in einer Zeit heftiger Kämpfe um die Einführung des
Christentums auf Bornholm. Das Verdienst der Christianisierung wird
Bischof Egin aus Dalby in Schonen zugeschrieben, einem
buchgelehrten und frommen Mann, dessen gesamtes Streben, Adam von
Bremen zufolge, darauf abzielte, die Heiden zu bekehren, darunter die
Barbaren auf Bornholm.
Egin
zog selber zu diesen Stämmen, und als er vor ihnen predigte, brachen die
Leute in Tränen aus und legten eine solche Reue an den Tag, dass sie
augenblicklich ihre Götzenbilder zerschlugen und darum wetteiferten, die
Taufe zu empfangen.
Ihre
Schätze und all ihren Besitz legten sie dem Bischof zu Füßen, der aber
die Annahme verweigerte.
Statt dessen lehrte er die Bornholmer, ihre Reichtümer dafür zu
verwenden, Kirchen zu bauen, Notleidende zu unterstützen und die
zahlreichen Gefangenen freizukaufen, die in dieser Gegend als Sklaven
dienten.
Auch
dieser Bericht erscheint, verglichen mit dem Eindruck, den die Sagas von
den bornholmischen Wikingern geben, nicht sonderlich historisch.
Alles
spricht dafür, dass das Christentum auf der Insel längst Fuß gefasst
hatte, als, Egin sie um 1060 besuchte. Der Bischof hat sich eher, still
und berechnend, mit Nachdruck für den weltlichen Einfluss der Kirche
eingesetzt, der Bornholm, als die Insel des Erzbischofs, dann während
des gesamten Mittelalters prägen sollte. Die fruchtbare, günstig
gelegene und reiche Insel wurde zum Spielball zwischen Fürsten,
Kirchenherren und Staaten.
Die
Bornholmer selbst wurden nie gefragt, und die Insel hat jahrhundertelang,
ja bis in die Gegenwart hinein, unter den Launen und der Machtgier der
wechselnden Herren geseufzt.
Der
Wikingergeist aus den Sagas wurde beschnitten, doch nie ganz gebrochen wie
es das Jahr 1658 bezeugt.
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Bornholm